Santa Lucia Fest Gondelsheim mit Mißgeschicken – Nachtrag

Es freut mich immer wieder, wenn Veranstalter von sich aus auf mich zukommen und mich für ihren Markt, bzw. ihr Fest Engagieren. Es war die Veranstalterin Frau Deniz  Weidenhammer, die mich für den alljährlich stattfindenden  Santa Lucia Weihnachtsmarkt engagierte, der immer in der schönen Kulisse des Gondelsheimer Schlosses mit dem umliegenden Park und seinen uralten Bäumen stattfindet. Mein Engagement hatte ich am 13. und 14. Dezember 2014 und wollte dieses Mal erstmalig meine kleine Harfe mitnehmen. Hatte auch fleißig geübt, um die Gäste mit Musikuntermalung zu den Texten zu erfreuen. Dann aber passierte es: Am Samstag Morgen, dem 13.Dezember auf dem Weg zum Wochenmarkt wollte ich den freiliegenden Schienenstrang nahe der Haltestelle Mathystraße überqueren. Aber welch ein kleiner böser Kobold hatte sich wohl dort versteckt, um mir heimtückisch ein Bein zu stellen? Ich stürzte schwer und schlug heftig mit meinem linken Bein voll  auf die Schienen auf. Es tat höllisch weh. Trotzdem raffte ich mich hastig auf, , denn die Leuchtanzeige verhieß die sofortige Einfahrt der Straßenbahn, und ich wollte nicht als Schienenragout enden….
Nachdem die Bahn ohne mich davongefahren war – immerhin lagen noch einige Kleinigkeiten auf den Schienen, die mir beim Sturz aus dem Korb gefallen waren – sammelte ich erst mich, dann meine haHseligkeiten wieder auf, verbiß mir den Schmerz und humpelte auf die andere Straßenseite, wo kurz darauf die Straßenbahn einfuhr. Es war eine von den alten Berliner Blechkremsern, die demnächst feierlich endgültig von Farlsruhe verabschiedet werden (Anmerkung am Rande: vor genau fünfzig Jahren waren diese alten Straßenbahnen von Berlin feierlich verabschiedet worden, um ihren Weg in den “Goldenen Westen” anzutreten, um dann fast fünfzig Jahre durch Karlsruhe zu rumpeln) und nie war mir der Einstieg über die steile Treppe so schwer gefallen wie in diesem Augenblick. Wenn man einmal einen Niederflurwagen braucht, kommt garantiert eine mit hohen Stufen! Der Fahre rief durch den Lautsprecher, ob ich das noch schaffen würde, wurde aber still, als ich mich in der Straßenbahn langsam nach vorne schleppte, um ihm von meinem Unfall zu berichten. Ich muß wohl ziemlich bleich gewesen sein, denn er war auf einmal ganz freundlich und wünschte mir eine gute Besserung.
Mein nächster Weg führte in die Apotheke, wo ich mir eine Packung Ibus holte und gleich eine schluckte. Dann weiter zum Wochenmarkt. Es war die Hölle. Ich konnte kaum die Wirkung des Medikaments erwarten. Auf dem Wochenmarkt setzte ich mich zur Deklamation auf die Umfaßungsstange einer Linde, wo ich mich auch an den Baum anlehnen konnte. Dort warf ich der ersten Tablette eine zweite hinterher – zwei Ibus 400, das sollte helfen. Ich merkte, daß meine Umgebung unscharf wurde und zu schaukeln begann, rasch lehnte ich mich an den Baum und trank einen Schluck “Gänsewein” (= Wasser). Das half.
Ich beendete meine Deklamation nach ca. 2 Stunden ohne Platzwechsel – der wäre einfach nicht drin gewesen. Noch schnell eine neue Flöte beim Musikhaus Schuler gekauft, dann schlich ich mich heimwärts.
Zu Hause wurde mir klar, daß ich unmöglich meine Harfe mitnehmen konnte. Ich konnte kaum gehen. Die Treppenstufen zu meiner Wohnung hatte ich nur mit äußerster Willenskraft gemeistert. Ich wohne im dritten OG. Da kommt Stimmung auf. Ich untersuchte mein Bein. Es war blau, aber nicht unmäßig geschwollen. Ich rieb es mit einer Salbe ein, warf mir nochmal zwei Ibus ein und zwängte meinen Fuß in den Schuh. Ich MUSSTE nach Gondelsheim – konnte mir das Engagement nicht entgehen lassen.
Stufe für Stufe humpelte ich hinunter und zur Straßenbahnhaltestelle. Ohne Harfe, versteht sich. Gerne hätte ich mich auf meinen Laternenstab gestützt, aber die Funzel tanzte so wild dabei und der Bambusstab bog sich, daß ich schnell wieder davon abkam.
Frau Weidenhammer war ziemlich erschüttert, als sie meine Zustand sah und zeigte viel Verständnis dafür, daß ich ohne Harfe erschienen war. Allein schon der Bahnsteigwechsel in Bretten war die Hölle gewesen – mit Harfe absolut undenkbar.
Aber ich zog mein Engagement durch. Fand begeisterte Zuhörer – besonders die ultraschrägen Weihnachtsgedichte kommen bei meinen Zuhörern immer gut an.
Am zweiten Tag – Sonntag – regnete es fast ununterbrochen. Der Markt versank in Schlamm und Matsch und Pfützen. Als ich im Aufwärmzelt deklamierte, hielt ich – wohl aufgrund der Schmerzen – meine Laterne so ungeschickt, daß sie plötzlich (trotz eingebautem Sicherheitskorb) Feuer fing und zum Teil verbrannte.
Eine Marktbeschickerin lieh mir eine LED – Lichterkette, mit der ich die Laternenruine beleuchten konnte. Eine Frau an einem anderen Stand schenkte mir eine kleine Laterne mit einer wunderscönen Geschichte.
Dies war für mich der härteste Markt, den ich je gehabt hatte – aber am Sonntag Abend fuhr ich dann, todmüde und schmerzverqüält nach Hause.
Am Montag drauf entdeckte ich an meinem Bein rote Streifen, die nichts Gutes verhießen. Kurz entschlossen fuhr ich mit meinem Fahrrad (fahren war leichter als laufen) zum Orthopäden, der mir nach einer Röntgenaufnahme erklärte, daß mein Bein gebrochen sei und operiert werden müsse. “Da bauen wir eine kleine Metallplatte ein, dann heilt das ganz schnell und in einigen Monaten kann man dann die Metallplatte wieder entfernen”. Entsetzt lehnte ich ab. Da ich die Röntgenaufnahme gesehen hatte wußte ich, daß es ein glatter Bruch war und fragte, ob es da keine andere Möglichkeit gäbe. Etwas unterkühlt erklärte er in geradezu abfälligem Ton, ich könne ja alternativ dazu einen orthopädischen Stiefel tragen, der Tag und Nacht am Fuß bleiben und nur zwecks Duschen etc. entfernt werden darf. Also müsse ich auch damit nachts schlafen. Ich willigte ein und humpelte von da an bis weit in den Januar hinein mit dem Stiefel an zwei Krücken. Aber das Bein ist jetzt (Mai 2015) wieder prima verheilt.
P.S: Den Stiefel habe ich nachts NICHT getragen – stattdessen hatte ich mir aus Gipsbinden eine Gipsschale für mein Bein gefertigt, in die ich es jeden Abend einbandagierte.

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