Über Mich

Rabenstern über Rabenstern

„Wie können Sie sich nur so viele Gedichte und Balladen merken“, ist wohl die am häufigsten gestellte Frage, die ich zu hören bekomme.

Und jedes Mal versuche ich, das für viele begeisterte Zuhörer Unerklärliche zu erklären: „Das ist wie ein Film, der vor mir abläuft. Ich verbinde die Worte des Textes mit Bildern, sehe das Ganze als Geschichte, als Film vor mir, den ich nur zu erzählen brauche..“

Und was ist mit ganz modernen Texten, mit jenen, die sich nicht unbedingt reimen und vielleicht inhaltlich abstrakt, expressionistisch oder surreal herüberkommen?

Wie z. B. Peter Härtlings „Murmelverse“, Kurt Schwitters „Frühe rundet Regen blau“ oder Hugo Balls „Karawane“ ?

Reim und Rhythmus spielen hierbei für mich eine entscheidende Rolle, ich erfühle buchstäblich den Text, sehe ihn in Bildern, Lichtern und Farben, höre darin Klang und Melodie  die ich dann wieder ins gesprochene Wort umsetze – eine Kunst, so alt wie die Menschheit und dennoch in der Art meiner Darbietungsweise meines Wissens  derzeit  ein absolutes Novum.

Denn ich trete bei fast allen meinen Engagements – wenn nicht ausdrücklich anders gewünscht – in mittelalterlicher Gewandung auf, verbinde so die alte Kunst mittelalterlicher Minne – und Bänkelsänger mit moderner Vortragskunst, wobei ich zwischen den einzelnen Textbeiträgen kurze Musikstücke auf der Flöte einstreue, so daß der geneigte Zuhörer Raum zur Besinnung und zum Nachdenken über das vorher Gehörte findet.

So sehe ich mich selbst als Bewahrer unserer Kultur und Dichtkunst – wer kennt heute noch zumindest inhaltlich (von einigen Zitaten abgesehen) „Das Lied von der Glocke” , den „Ring des Polykrates“ oder „Die Kraniche des Ibykus“  – um nur einige der ganz großen  Schiller- Balladen zu nennen.

In unserer medienüberfluteten Zeit gewinnt das Althergebrachte wieder mehr an Bedeutung.

Fernsehen und Computer bestimmen unseren Alltag. Multifunktions – Handys tun ihr Übriges.

Die Menschen sind übersättigt davon.

Wer zuviel süßen Kuchen gegessen hat, freut sich über kerniges Brot mit Wurst oder Käsebelag.

Meine Vortragskunst appelliert an die Phantasie des Zuhörers.

Und warum „Rabenstern“ ?

Bevor ich mich Rabenstern nannte, hatte ich mir den Namen „Ravenwing“ als Künstlername gewählt. Damals spielte ich auf meiner Gitarre unter anderem irische, bzw. internationale Folksongs. Zu meinem Outfit gehörte damals ein selbst gefertigter Haarschmuck aus Rabenfedern, was wohl mit meiner inneren Verbundenheit zu der Kultur der indianischen Völker, aber auch mit einem gewissen Hang zur Mystik zusammenhängt.

Als ich mich jedoch dafür entschied, deutsche Gedichte und Balladen zu deklamieren, musste ich zwangsläufig auch meinen Künstlernamen ändern.

Denn die Deklamation deutscher Texte verträgt sich einfach nicht mit einem englischen Künstlernamen.

Da ich schon damals als „Wappen“ den Raben mit dem Stern im Schnabel gewählt hatte, änderte ich nach langem Überlegen meinen Namen in „Rabenstern“. Und „Rabenschwinge“ oder „Rabenflügel“ hatte in meinen Ohren keinen so guten Klang, deshalb „Rabenstern“.

Heute trage ichkeine Rabenfedern mehr, da mir die letzten Kolkrabenfedern ausgegangen sind und ich auch keine mehr bekomme.

Aber der Name ist geblieben.

Rabenstern*. Mit Stern am Ende.